Donnerstag, 22. Dezember 2011

»Einheit von Grundschule und Hort im Mittelpunkt«

Junge Welt vom 22.12.2011

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GEW mahnt Verbesserung der Arbeitsbedingungen für Lehrkräfte und Erzieherinnen in Thüringen an. Ein Gespräch mit Torsten Wolf

Für uns liegen die Pläne zur Weiterentwicklung der Thüringer Grundschulen – so heißt das Modell zur Kommunalisierung – immer noch ganz oben auf dem Tisch. Denn mit der Vertagung der Strukturentscheidung sind die Fragen der pädagogischen Qualität und der Verbesserung der Arbeitsbedingungen viel stärker in den Fokus gerückt. Dabei steht für uns die organisatorische und pädagogische Einheit von Grundschule und Hort im Mittelpunkt.
Wo sehen Sie die Hauptaufgaben in nächster Zeit?
Wir müssen die Beschäftigungsbedingungen an den Grundschulhorten in den Blick nehmen. Die Landesregierung will grundsätzlich nur halbe Stellen im Hortbereich finanzieren. Heute ist es schon kaum mehr möglich, diese prekären Stellen mit qualifiziertem Personal zu besetzen. Außerdem sind diese Arbeitsbedingungen der Tod einer rhythmisierten Ganztagsschule, da ein Einsatz am Vormittag dadurch nicht mehr möglich ist. Obendrein befördert die Landesregierung damit das Thüringer Dumpinglohnimage, welches sie ja loswerden will.
Und wenn in vier Jahren die Frage der Kommunalisierung neu gestellt wird?
Dann möchten wir, daß die Schulen aufgrund ihrer erprobten pädagogischen Konzepte ihren Weg selbst gewählt haben und die Erzieherinnen wegen der guten Bedingungen hoch motiviert an den Grundschulhorten arbeiten. Und ich möchte, daß nicht einzelne Minister die Frage der Ausgestaltung der Grundschulen stellen, sondern wir bis dahin in einem gesellschaftlichen Kompromiß Antworten gefunden haben.
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Sorgen um Hort-Qualität: Erzieherinnen weitgehend unterbezahlt

tlz vom 20.12.2011

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Die Thüringer Grundschulhorte haben jetzt zum wiederholten Mal exzellent abgeschnitten. Thüringen liegt im deutschlandweiten Vergleich bei der Ganztagsbetreuung von Grundschulkindern in der Spitzengruppe.
Für Sojka steht fest: Der Stellenkegel in den Horten muss drastisch angehoben werden, von den heutigen 50-Prozent-Stellen auf mindestens 70 bis 80-Prozent-Stellen. Sie hat dabei sowohl das Wohl der Kinder wie auch der Hortnerinnen im Hinterkopf. Es könne doch nicht angehen, sagt sie, dass 47 Prozent der Hortnerinnen nach einer GEW-Online-Umfrage nicht mal von ihrem Einkommen leben könnten.
Auch die Bildungsgewerkschaft GEW drängt hier im Kultusministerium auf drastische Nachbesserungen. Denn die 50-Prozent-Stellen stellen eigentlich die pädagogische Einheit von Grundschule und Hort in Frage, so der GEW-Vorsitzende Torsten Wolf. Erzieherinnen könnten am Vormittag nicht mehr den Lern- und Entwicklungsstand der Kinder verfolgen. Der Gewerkschafter wirft dem Kultusminister außerdem vor, mit den Beschäftigungsbedingungen an den Grundschulhorten gegen den Koalitionsvertrag zu verstoßen. Denn dort ist festgeschrieben, dass die Landesregierung Bedingungen schaffen will, dass alle in Thüringen von ihrem Einkommen leben können. In der Befragung der GEW wurde außerdem deutlich, dass 87 Prozent der Erzieherinnen sich einen Beschäftigungsumfang von mindestens 80 Stunden wünschen.
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Donnerstag, 24. November 2011

Modellversuch Hort: Fluch oder Segen?

in Südthüringen.de vom 24.11.2011

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Der Modellversuch Hort soll im Sommer 2012 beendet sein. Dann könnten die Horte kommunalisiert werden. Doch der Widerstand wächst.

Eine Hortkoordinatorin aus Bad Salzungen ergänzt, dieser Modellversuch sei einfach ein Fehlversuch. Gut gehe es Horten, die noch viele ausgebildete Hortnerinnen haben, die vom Land bezahlt werden und 80 Prozent arbeiten. An kleineren Horten, die nur noch 50-Prozent-Kräfte hätten, bleibe die Qualität der Kinderbetreuung auf der Strecke. Selbst beim größten Engagement dieser kommunalen Kräfte könne Hortarbeit nicht funktionieren. Ihr Hort sei beispielsweise von 6.30 bis 16.30 Uhr geöffnet. Eine 50-Prozent-Kraft arbeite vier Stunden am Tag. Wenn sie Glück habe von 12 bis 16.30 Uhr. Viele müssten aber geteilten Dienst leisten - sie kommen morgens zwei Stunden, fahren wieder nach Hause und kommen nachmittags zwei Stunden. Und das für rund 600 Euro netto. Diese Hortnerinnen könnten gar nicht als Zweitbesetzung mit in den Unterricht, um für die Hausaufgabenkontrolle zu lernen. Doch gerade für sie wäre es wichtig, weil es meist nicht ausgebildete Hortnerinnen seien. "Wir müssen diesen Modellversuch ablehnen, weil er weder für die Kinder etwas bringt, noch fachlich oder finanziell vertretbar ist."

Das Gros der Horterzieherinnen lehne den Modellversuch ab. Die Versuch gerade auch im Wartburgkreis habe gezeigt, dass sich die Arbeit im Hort nicht verbessert habe. Im Gegenteil. Die Zusammenarbeit mit dem Wartburgkreis gestalte sich äußerst schwierig.

Torsten Wolf, Vorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft in Thüringen (GEW), und Michaele Sojka, bildungspolitische Sprecherin der Linken im Landtag, rufen die Hortnerinnen auf, sich zu wehren. Das Bündnis zur Erhaltung der Grundschulhorte sei wieder belebt worden. Mitglieder seien neben der GEW Linke, Grüne, Piraten sowie die Landeseltern- und die Landesschülervertretung. Nächste Woche starte eine Aktionswoche, an der sich möglichst viele Horte beteiligen sollten. Wolf geht davon aus, dass in Thüringen 20 000 Unterschriften gegen eine Kommunalisierung der Horte zusammenkommen könnten. Er ist genauso wie Michaele Sojka davon überzeugt, dass die Sache noch nicht entschieden ist. Fachlich hätte das Projekt keinerlei Verbesserung gebracht und billiger werde es auch nicht. Warum sollte das Land die Horte dann kommunalisieren?

"Die Horte müssen zukunftssicher gestaltet werden" - doch das garantiere das Modellprojekt nicht, weder fachlich noch finanziell. Es gebe jetzt schon kaum noch Bewerber, die bereit sind, 50 Prozent zu arbeiten. Denn die 600 Euro netto für eine alleinerziehende Hortnerin mit Kind reichten zum Leben nicht. "Und das ist schon der eigentliche Skandal, dass Menschen, die im öffentlichen Dienst beschäftigt sind, für den Lebenserhalt zusätzlich zum Amt gehen müssen", so Wolf. wei

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Dienstag, 1. November 2011

Uni-Hilfskräfte bekommen weniger als auf dem Bau

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Thüringens Hochschulen zahlen wissenschaftlichen Hilfskräften mit Fachhochschul- oder Bachelorabschluss weniger als den Mindestlohn für ungelernte Bauarbeiter.

Eine Sprecherin der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sagte, Absolventen nähmen die Bezahlung oft hin, weil es zunächst die einzige Möglichkeit sei, in der Wissenschaft Geld zu verdienen.

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Donnerstag, 27. Oktober 2011

Sparpaket für Grundschüler

Junge Welt vom 26.10.2011

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Thüringer Landesregierung will Schulhorte in kommunale Verantwortung übergeben. Kritisches Bündnis sieht darin ein Sparprogramm

Im Juli kommenden Jahres will Kultusminister und SPD-Landeschef Christoph Matschie die Schulhorte in die Trägerschaft der Kommunen geben. Er wolle nicht sparen, versicherte er mehrfach gegenüber der Presse. Kritiker nehmen ihm das nicht ab. Sie befürchten Kürzungen im Bildungsbereich durch pauschalisierte Finanzzuweisungen vom Land, Übernahmen durch private Träger, drastische Gebührenerhöhungen und das Aus für die pädagogische Einheit von Schule und Hort.
Torsten Wolf von der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) erinnert sich: »Althaus hatte keine Stellen mehr besetzt, was die Schulen in eine schwierige Lage brachte.« Drei Jahre später einigte man sich schließlich auf ein Modellprojekt, wobei die Kommunen mit eingebunden wurden. Dabei sei auch Personal aufgestockt worden. Wolf zieht darum zwar eine »eher positive Bilanz«, kritisiert aber gleichsam das »entstandene Wirrwarr zwischen den Zuständigkeiten«. Es müsse konkrete Richtlinien geben, sagte er. »Schule und Hort gehören in eine Hand.«
Wolf sieht das Vorhaben als »knallhartes Umsetzen der Althaus-Politik«. Gegenüber jW sagte der Gewerkschafter: »Matschie hat das Vorhaben selbst als Einsparpotential benannt.« Er sei überzeugt, daß es dem Land auch darum geht, Stellen auszugliedern und Aufgaben abzuwälzen. Im Haushaltsentwurf für 2012 seien bereits 1330 Horterzieherstellen »unter Vorbehalt« gestellt worden. »Wird die Verantwortung den Kommunen übertragen, sind dramatische Gebührenerhöhungen für die Hortbetreuung abzusehen. Die größtenteils finanzschwachen Gemeinden könnten gar nicht anders handeln«, blickt er voraus.
Der Gewerkschafter betonte, daß 86 Prozent der Beschäftigten – rund 19000 Landesbedienstete und 620 in kommunaler Anstellung – ebenfalls gegen die Regierungspläne seien.
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Freitag, 21. Oktober 2011

Kritik an Thüringer Schulamtsreform

Thüringer Schulen sollen nach dem Willen von Kultusminister Christoph Matschie
(SPD) künftig nur noch von fünf Schulämtern betreut werden. Das Kabinett wird in der nächsten Woche einen entsprechenden Beschluss fassen.
Auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) im Freistaat steht den Plänen kritisch gegenüber. "Bisher waren wir nicht mit einbezogen worden", sagt Torsten Wolf. Er hoffe zwar, dass so die Eigenverantwortlichkeit der Schulen erhöht werde, andererseits verlängerten sich die Wege. Wolf nannte als Beispiel die aktuelle Schulhortdebatte. Die Referenten hätten künftig kaum noch eine Chance, alle Horte oder Schulen in ihrer Zuständigkeit in einer vertretbaren Zeit zu besuchen.
Die Planstellen bei den Schulämtern werden sich von derzeit 283 auf dann noch 227 verringern. Das Kultusministerium begründet die Reform unter anderem mit mehr Flexibilität innerhalb der dann deutlich größeren Schulamtsbezirke. So sei es einfacher, kurzfristige Engpässe zu kompensieren.
Kultusminister Christoph Matschie
(SPD) hatte dieser Tage die konkreten Pläne zum Umbau der Schulämter vorgestellt. Danach sollen wie bereits im Frühjahr angekündigt von den derzeit 11 Ämtern 5 übrig bleiben. Als Standorte nannte er Weimar, Leinefelde-Worbis, Gera, Suhl und Gotha.
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Montag, 17. Oktober 2011

Skepsis über Kommunalisierung der Grundschulhorte in Gera bleibt

otz vom 12.10.2011

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Die geplante Kommunalisierung der Grundschulhorte hat zwischen Gewerkschaft und SPD einen Keil getrieben. Konkrete Informationen zur Umsetzung sind auch bei einer öffentlichen Fraktionssitzung der Partei in Gera rar.
Ausräumen konnte Peter Metz
, Sprecher der SPD-Fraktion für Kinder, Jugend, Bildung, Hochschulen im Thüringer Landtag, die Bedenken der Kritiker nicht. Auch wenn er versicherte, ohne 100-prozentige langfristige Ausfinanzierung durch das Land werde die SPD der Kommunalisierung nicht zustimmen. Nur sperren könne man sich eben nicht angesichts eines erfolgreichen CDU-Modellprojektes, das man zwar nicht gewollt, das sich nun aber etabliert habe. Mitte 2012 läuft es aus, eine Anschlussregelung muss gefunden werden. Geraer Schulen hatten sich gegen das Modell entschieden. Die Sozialdemokraten haben sich mit dem Schwenk die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und den Thüringer Landeselternverband zu unentwegt kopfschüttelnden Gegnern gemacht. Und so warnte GEW-Vorstand Torsten Wolf: Sei das Land die 1330 Landesbediensteten erstmal los, würden naturgemäß Kürzungen folgen. "Sonst könnte ja alles bleiben, wie es ist." Tatsächlich steht der Freistaat in der Kritik, sich bundesweit einmalig Hortpersonal im Landesdienst zu leisten. Wie der Übergang des Personals laufen soll, ob zu einem festen Stichtag oder gleitend, indem lediglich Neueinstellungen beim Arbeitgeber Kommune anfangen, sei noch offen, erklärte Metz. Torsten Wolf signalisierte schon mal, dass dafür ein neuer Tarifvertrag notwendig, die Zusammenarbeit mit der GEW wohl aber schwer werde.
Verunsichert werden Mitarbeiter auch dadurch, dass die Träger künftig ein Viertel der Personalkosten frei in die Hand bekommen, um Sozialarbeiter, Heilpädagogen, Fachleute aus Wirtschaft und Kunst ergänzend einzusetzen. Pädagogen trauen das Außenstehenden nicht zu. Hier scheiden sich die Geister. Dass die Mittel auch verwendet werden können, um die Stundenzahl der meist halbtags arbeitenden Erzieher aufzustocken, darauf wies Christina Köhler vom Schulamt Gera/Schmölln hin. Das System "Geld statt Stellen" lockere das starre Korsett der Personal-Schlüssel. Das hätte man auch ohne Arbeitgeberwechsel einführen können, merkte eine Erzieherin unwidersprochen an. Nur hat die Politik eben noch andere Interessen.
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